X-T50 vs. X-T5: Was in der Praxis wirklich zählt

X-T50 vs. X-T5: Was in der Praxis wirklich zählt

Ein paar Wochen lang hatte ich beide Kameras gleichzeitig in der Tasche. Die X-T50 ist meine, die X-T5 hatte ich mir von einem Bekannten geliehen, der sie kaum noch nutzt. Genug Zeit, um rauszufinden, ob der Aufpreis für die X-T5 in echt einen Unterschied macht oder ob das am Ende nur Zahlen auf dem Papier sind.

Auf dem Papier ist der Unterschied klein. Gleicher 40-Megapixel-Sensor, gleicher Prozessor, gleiches Stabi-System bis zu sieben Blendenstufen. Die Bilder, die aus beiden Kameras kommen, unterscheiden sich praktisch nicht. Was sich unterscheidet, ist alles drumherum. Und genau das hat mich überrascht, wie viel dieses Drumherum am Ende ausmacht.

Fujifilm X-T50
Sensor40,2 MP X-Trans 5 HR
Bildstabibis 7 Stops
Sucher2,36M Dots, 0,62x
Display2-Wege-Tilt
Pixel Shiftnein
ExtraBlitz, Film-Sim-Dial
Gewicht438 g

Das Gehäuse ist der eigentliche Unterschied

Die X-T5 liegt satter in der Hand. Tieferer Griff, kantigere Form, spürbar mehr Gewicht. Wenn ich sie mit einem größeren Objektiv unterwegs hatte, zum Beispiel auf einer Tour Richtung Hochrhein, wo ich auch mal ein Stück Zoom mitnehme, hat sich das gut ausbalanciert angefühlt. Die X-T50 dagegen ist runder, leichter, und mit den kleinen Festbrennweiten, die ich sonst eigentlich immer dabei habe, hat sie sich fast schon unauffällig angefühlt. Fast zu unauffällig, im positiven Sinn.

Ich habe die X-T5 nie als unangenehm empfunden. Wer von der X-T3 kommt, beschreibt die X-T5 oft fast als direkte Fortsetzung, gleiche Grundform, gleiches Gefühl beim Greifen. Ich selbst habe da keinen Vergleich, aber es erklärt vielleicht, warum die X-T5 bei langjährigen Fuji-Nutzern so beliebt ist, während ich als Umsteiger einfach unvoreingenommener rangegangen bin. Nach längeren Tagen, an denen ich viel zu Fuß unterwegs war, egal ob durch die Stadt oder eher Richtung Feld und Wald bei mir in der Gegend, habe ich gemerkt, dass mir das geringere Gewicht der X-T50 einfach guttut. Das ist kein technisches Argument, das ist reine Ausdauer.

Wetterfestigkeit, die ich kaum gebraucht habe

Die X-T5 ist wettergeschützt, die X-T50 nicht. In der Theorie ein klarer Pluspunkt für die X-T5. In der Praxis war ich mit der X-T50 auch schon bei leichtem Regen unterwegs, ohne dass irgendwas passiert ist. Das heißt nicht, dass ich sie sorglos in strömenden Regen tragen würde. Aber für das, was bei mir tatsächlich vorkommt, war der fehlende Wetterschutz nie der Punkt, an dem ich mir Sorgen gemacht habe.

Der Sucher, der bei mir tatsächlich den Unterschied macht

Das ist der Punkt, bei dem ich mir am wenigsten sicher bin, ob ich die richtige Wahl getroffen habe. Ich trage Brille, und der Sucher der X-T5 ist spürbar größer und höher aufgelöst als der der X-T50. Solange ich übers Display fotografiere, merke ich davon nichts. Aber sobald ich bei hellem Licht auf den Sucher wechseln muss, wird der Unterschied schnell unangenehm, gerade mit Brille wird es auf der X-T50 eng und ich muss mehr suchen, bis das Bild wirklich scharf im Blick sitzt. Für jemanden, der viel über den Sucher arbeitet, wäre das für mich vermutlich ein Grund gewesen, näher bei der X-T5 zu bleiben.

Bedienung: Gewöhnungssache in beide Richtungen

Die X-T5 hat noch das klassische ISO-Rad und ein D-Pad. Die X-T50 hat stattdessen das Film-Simulation-Dial oben drauf, das ISO-Rad ist dafür verschwunden, gesteuert wird über Joystick und Menü. Ich benutze das Dial ehrlich gesagt selten, weil ich mir mein eigenes Rezept auf eine der Custom-Tasten gelegt habe. Trotzdem, wenn ich manuell arbeiten will, vermisse ich das physische ISO-Rad der X-T50 schon. Das ist kein Show-Stopper, aber ein kleiner Reibungspunkt, der bei der X-T5 einfach nicht existiert.

Dazu passt, dass die X-T50 auf der Oberseite auch einen Auto-Knopf hat, den die X-T5 nicht hat. Klingt nach Kleinigkeit, macht aber Sinn, wenn man bedenkt, wie die beiden Kameras positioniert sind. Die X-T5 ist klar auf ambitioniertere Fotografie ausgelegt, die X-T50 spielt bewusst auch die Rolle der Familienkamera, die man mal eben jemandem in die Hand drückt, ohne vorher Zeit/Blende erklären zu müssen. Für mich persönlich war das nie ein Kaufargument, aber es zeigt, wie unterschiedlich beide Kameras eigentlich gedacht sind, obwohl sie technisch so nah beieinander liegen.

Der Moment, an dem mich die X-T50 geärgert hat

Ich war an einem Nachmittag am Rhein unterwegs, nicht um bewusst Street und Landschaft zu vergleichen, aber genau das ist an dem Tag passiert. Erst ein paar Aufnahmen näher an der Brücke, mit Leuten im Bild, dann später raus Richtung Ufer, wo es eher um die Weite ging. Beim Wechsel wollte ich das Display kurz hochkant klappen, um aus einer tiefen Perspektive zu fotografieren, ohne mich selbst verrenken zu müssen. Und dann die Erinnerung, dass die X-T50 das gar nicht kann, nur horizontal. Kein Beinbruch, ich habe die Aufnahme trotzdem gemacht, nur eben unbequemer als nötig. Aber genau in solchen kleinen Momenten merkt man, wofür man beim Kauf eigentlich bezahlt.

Serienbild-Geschwindigkeit, nur kurz am Rand

Die X-T5 schafft 15 Bilder pro Sekunde, die X-T50 kommt auf 8. Für mich persönlich war das nie ein Thema, ich fotografiere weder Sport noch Studio-Setups, bei denen es auf den einen Sekundenbruchteil ankommt. Wer aber genau in diese Richtung unterwegs ist, schnelle Bewegungen, viele Varianten einer Bewegung auf einmal einfangen, für den ist das ein Punkt, den man nicht einfach übergehen sollte. Für meinen Alltag zwischen Street und Landschaft hat der Unterschied schlicht keine Rolle gespielt.

Wofür ich mich am Ende entschieden habe

Der Punkt, an dem es für mich gekippt ist, war am Ende gar nicht die Ausstattung, sondern das Gefühl nach einem langen Tag. Die X-T5 ist die dichtere, robustere Kamera, keine Frage. Aber ich merke bei mir, dass ich eher öfter rausgehe, wenn die Kamera leicht ist und nicht auffällt. Und genau da hat mich die X-T50 überzeugt, nicht weil sie technisch mehr könnte, sondern weil sie mich weniger davon abhält, sie überhaupt mitzunehmen.

Der Sucher bleibt für mich der einzige Punkt, an dem ich mir manchmal noch nicht ganz sicher bin. Aber in Summe war es die X-T50, die ich am Ende behalten wollte.

Ob das bei dir genauso ist, hängt vor allem davon ab, wie du unterwegs bist. Wenn du viel mit größeren Objektiven arbeitest, öfter unter schlechten Wetterbedingungen unterwegs bist, viel über den Sucher fotografierst oder wirklich schnelle Serienbilder brauchst, ist die X-T5 die konsequentere Wahl. Wenn du wie ich eher mit kleinen Festbrennweiten unterwegs bist und Gewicht am Ende des Tages spürst, lohnt sich der Blick auf die X-T50 mehr, als der Preisunterschied auf den ersten Blick vermuten lässt.


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